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Artikel Data & AI

So nutzt man die realen Potenziale von KI in der Logistik

Michael Eichstedt, Logistikexperte bei Eraneos, zeigt auf, wie Firmen KI wirklich gewinnbringend nutzen können.

Künstliche Intelligenz eröffnet neue Potenziale für Transparenz, Effizienz und Resilienz in der Logistik. Unser Experte Michael Eichstedt zeigt in seinem Beitrag in der Ausgabe „Next Level Supply Chain“ by Pointers GmbH auf, wie Unternehmen KI gezielt und gewinnbringend einsetzen können.

Dieser Artikel erschien erstmals am 28. März 2026 in der Ausgabe „Next Level Supply Chain“ by Pointers GmbH und wird hier mit freundlicher Genehmigung veröffentlicht.

Herr Eichstedt, KI ist das Thema der Stunde und schürt auch im Feld der Logistik und des Supply Chain Managements Erwartungen. Nach der ersten Euphorie scheint sich nun jedoch eine gewisse Ernüchterung breit zu machen. Wie ordnen Sie die aktuelle Lage ein?

Wir haben in den letzten zwei bis drei Jahren tatsächlich eine massive Überkommunikation erlebt. Das Thema hat sowohl den Markt als auch die Medien derart dominiert, dass es zwangsläufig zu einer Blasenbildung gekommen ist, was sich nicht zuletzt in den Aktienkursen widerspiegelt. Es wurden Erwartungen geschürt, die in der Realität der operativen Logistik oft nicht haltbar waren. Dennoch bin ich sehr zuversichtlich, denn der Markt beginnt jetzt klar zu unterscheiden, welche Lösungen Substanz haben und welche nicht. Wir kennen dieses Muster von der Dotcom-Ära oder dem Metaverse. Was bleibt, sind belastbare, reale Use Cases. Der blinde Enthusiasmus weicht nun einem optimistischen Realismus.

Gibt es Logistikunternehmen und Betriebe, die auf funktionierende Lieferketten angewiesen sind, die möglicherweise zu stark auf KI gesetzt haben und nun zurückrudern müssen?

Das sollte kaum der Fall sein. Zwar wurde die Logistik in der Tat sehr früh als ideale KI-Spielwiese identifiziert, da die Prozesse dort oft hochgradig repetitiv und damit theoretisch für Algorithmen prädestiniert sind. Gleichzeitig handelt es sich jedoch um eine Branche, in der man sich nicht vorschnell von wohlklingenden Versprechungen überzeugen lässt. Wenn man etwa liest, dass eine KI-Lösung die Effizienz in der Wertschöpfungskette um 400 Prozent steigern soll, muss man kein Technologieexperte sein, um zu wissen, dass solche Zahlen kaum haltbar sind.

Wie sieht dieser „optimistische Realismus“ in der Praxis aus? Wo liegen die tatsächlichen Potenziale für das Supply Chain Management?

Die Logistik ist ein Feld voller Unwägbarkeiten. Das Ziel von KI muss es daher sein, die Varianz bei Eventausprägungen zu verringern. Ein einfaches Beispiel: Ein LKW steht im Stau, die KI erkennt dies sofort und löst automatisch eine Kommunikation an den Kunden aus. Das schafft Transparenz und Verlässlichkeit.
Noch spannender wird es beim Risikomanagement: Ob Zollprobleme oder geopolitische Krisen, KI hilft uns, Daten in völlig neuen Konfigurationen zusammenzuführen, um die Resilienz der Lieferketten zu erhöhen. Doch Hand aufs Herz: Das größte Hindernis, gerade im Mittelstand, ist oft noch die Datenbasis. Wer noch mit manuellen Excel-Listen arbeitet, muss erst das Fundament digitalisieren, bevor die KI ihr Potenzial entfalten kann.

Können Sie diese Potenziale anhand konkreter Success Cases aus Ihrer Arbeit bei Eraneos illustrieren?

Absolut. Wir arbeiten aktuell mit einer weltweit führenden Reederei zusammen. Hier unterstützen wir beim Forecasting und Pricing für eine große Flotte. Durch den Einsatz smarter Algorithmen konnten wir die Vorhersagegenauigkeit um bis zu 25 Prozent steigern.
Ein weiteres Beispiel ist das Tendermanagement: Im Einkauf gehen oft zahlreiche Anfragen ein, die zeitnah beantwortet werden müssen. Durch KI-gestützte Prozesse konnten wir die Geschwindigkeit in der Bearbeitung um bis zu 30 Prozent erhöhen. Das hat auch unmittelbare Auswirkungen auf die Qualität der Offerten.

Welche Trends sehen Sie mittel- bis langfristig am Horizont, und was bedeuten diese für Ihre Kunden?

Die wichtigste Erkenntnis, die sich gerade durchsetzt, lautet: Es geht nicht nur um Technologie. Der Mensch rückt wieder stärker in den Mittelpunkt. KI wird repetitive Prozesse übernehmen und damit Kapazitäten für das Wesentliche freimachen, insbesondere für die persönliche Interaktion mit Kunden, Lieferanten und Partnern.
Wir begleiten unsere Kunden daher intensiv dabei, dieses Potenzial durch gezieltes Change Management zu nutzen. Es geht darum, die Mitarbeitenden auf die Reise mitzunehmen und transparent zu kommunizieren. Wer KI als Partner und nicht als Ersatz versteht, wird langfristig erfolgreich sein.
Wer tiefer in diese Thematik eintauchen möchte, hat am 24. April in Zürich im Rahmen unseres Events „AI in Motion – Zukunft der Logistikbranche“ die Gelegenheit dazu.

Quelle

Next Level Supply Chain by Pointers GmbH

Dieser Artikel erschien erstmals am 28. März 2026 in der Ausgabe „Next Level Supply Chain“ by Pointers GmbH und wird hier mit freundlicher Genehmigung veröffentlicht.